Musée d'Orsay: Bleistift, Tinte oder Terrakotta, Skizzen von Henri Chapu (1833-1891)

Bleistift, Tinte oder Terrakotta, Skizzen von Henri Chapu (1833-1891)

Henri Chapu 
 (1833-1891)
 Jeanne d'Arc à Domrémy[Die knieende Jeanne d'Arc in Domrémy]
 Zwischen 1870 und 1872
 Marmorstatue auf Sockel 
 H. 117; B. 92; T. 83 cm
 Paris, Musée d'Orsay
Henri ChapuDie knieende Jeanne d'Arc in Domrémy© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski
Die offizielle Karriere des Bildhauers Henri Chapu, der 1855 den Rompreis gewann, wird am 23. November 1880 durch die Wahl an die Académie des Beaux-arts eingeleitet; die Jeanne d’Arc (in Gips auf dem Salon von 1870), das berühmte Symbol, das der Hoffnung Ausdruck verleiht, sich an Deutschland zu rächen, stammt aus dieser Zeit. Chapu führt sowohl offizielle Aufträge und öffentliche Monumente als auch Kreationen für Privatpersonen aus. Unter anderem Porträts und dekorative Figuren, er zeichnet sich jedoch insbesondere durch seine Grabmalkunst aus. Man sagte damals übrigens, „wenn man unvergesslich bleiben will, muss man sich ein Grabmal von Chapu kreieren lassen“!

Wie auch anderen Bildhauern dient Chapu die Zeichnung sowohl für den persönlichen Ausdruck als auch für den Entwurf seines Werks. Er trug immer ein Heft bei sich, in das er mit Bleistift oder vor allem Tinte Adressen, Straßenszenen oder Ideen zu seinen Kompositionen notierte. Abgesehen von seinen Frühwerken, die charakteristisch für die Bildhauerkunst waren, studierte er in den Zeichnungen insbesondere Gesten und Haltungen. Für Chapu beginnt die Kreation mit der Zeichnung: durch ständiges Wiederholen der gleichen Linien, mit nur geringfügigen Veränderungen von einem Blatt zum anderen, findet seine Hand von ganz allein allmählich die richtige Form. Anhand der zahlreichen Skizzen wie beispielsweise für Christus mit Engeln, Die Hoffnung oder die Monumente von Balzac kann man die verschiedenen Entstehungsphasen verfolgen: obwohl die dreidimensionalen Entwürfe nicht die endgültige Version der Formen und Volumina darstellen.

Wie Rodin hätte auch Henri Chapu 1895 sagen können: „Meine natürlichen Mittel sind die Erde und der Bleistift“.

Ausstellungsleitung

Antoinette Le Normand-Romain, Konservatorin in der Abteilung für Skulptur im Musée d'Orsay

22 Oktober 1991 - 12 Januar 1992
Musée d'Orsay

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