Musée d'Orsay: Impressionistische Dekorationen

Impressionistische Dekorationen

Claude MonetSeerosenteich, Harmonie in Rosa© RMN-Grand Palais (musée d'Orsay) / Hervé Lewandowsk
Der Impressionismus wird selten mit dem Begriff Dekoration in Zusammenhang gebracht. Auch Wandverzierungen, Zierobjekte, Fächer, Keramikarbeiten oder Wandreliefs werden kaum als impressionistisch wahrgenommen. Die Werke des Impressionismus gelten heute als Staffeleibilder und wurden in erster Linie als Dekorelemente für die Wohnsitze von Kunstsammlern oder die Künstler selbst geschaffen. Bei ihren Überlegungen über den Stellenwert der Ästhetik im täglichen Leben experimentierten die Impressionisten mit zahlreichen Trägermaterialien und erforschten sämtliche Möglichkeiten.

"Mein ganzes Leben lang habe ich davon geträumt, Wände zu bemalen", vertraute Degas an. Er war nicht der einzige Impressionist, der sich an den umfangreichen Dekorationsprojekten des späten 19. Jahrhunderts beteiligen wollte. Obwohl Manet und die Impressionisten keine offiziellen Aufträge erhielten, so haben sie in ihrer gesamten Laufbahn vom Ende der 1860er Jahre bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts dekorative Malereien und Objekte geschaffen. Sie experimentierten mit verschiedenen Techniken und definierten gleichzeitig das Grundkonzept des "Dekorativent" neu, ein paradoxer Begriff, der zugleich positiv und abwertend ist und im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit und ästhetisch-sozialen Reflexion des späten 19. Jahrhunderts steht.

Allerdings ist dieser Aspekt des Impressionismus heute wenig bekannt. Dennoch bildet der Zyklus der Seerosen ] im Musée de l'Orangerie, die Monet als "seine großen Dekorationen" bezeichnete, den Höhepunkt einer mehr als 60-jährigen Kunstaktivität in diesem Bereich. Und obgleich die ausgestellten Gemälde der Impressionisten die Öffentlichkeit schockierten, so war dies auch darauf zurückzuführen, dass sie als einfache Dekorationen wahrgenommen wurden, ohne tiefere Bedeutung und einzig zum Sinnesgenuss gedacht. Hatte nicht ein Kritiker 1874 vermerkt, dass die Malereien von Monet "wie eine Tapete anmuten"?

Diese Ausstellung beleuchtet daher erstmals eine andere Geschichte des Impressionismus und präsentiert Werke von Cassatt, Cézanne, Dégas, Manet, Monet, Morisot, Pissarro und Renoir aus der ganzen Welt, wovon einige nur selten oder noch nie in Frankreich gezeigt wurden. Sie zeigt anhand von etwa achtzig Gemälden, Fächern, Keramikobjekten oder Zeichnungen auf, wie die Impressionisten einen neuen Weg vorgaben in der Überzeugung - um Renoir zu zitieren - dass die Kunst vor allem dazu dient, '"Wände zu dekorieren".

Kuratoren

Sylvie Patry, Direktorin der Abteilung Konservierung und Sammlungen des Musée d'Orsay
Christopher Riopelle, The Neil Westreich Curator of Post 1800 Paintings, National Gallery, London
Anne Robbins, Associate Curator of Post 1800 Paintings, National Gallery, London

Diese Ausstellung wird gemeinsam mit der National Gallery in London organisiert, wo sie vom 11. September 2021 bis zum 9. Januar 2022 zu sehen sein wird.

13 April - 25 Juli 2021
Musée d'Orsay

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