Musée d'Orsay: François-Rupert Carabin (1862-1932) oder die Einheit der Kunst

François-Rupert Carabin (1862-1932) oder die Einheit der Kunst

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François-Rupert CarabinBibliothek© DR - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR
Der Elsässer Carabin ist ein allseits anerkannter Künstler. Bei jedem Salon preist der Kunstkritiker Gustave Geffroy seine Werke als eine „Rückkehr zur traditionellen Kunst des Mittelalters“. Carabin griff nicht nur auf vergangene Traditionen zurück, als Bildhauer bearbeitete er auch Unmengen von Holz.

Damals ist er bei einem Holzschnitzer im Faubourg Saint-Antoine in Anstellung und besucht regelmäßig die Cafés und Cabarets von Montmartre. Er ist Stammgast im Chat Noir, wo er seine Absinthkumpane Willette und Toulouse-Lautrec trifft.

Das Tandem Carabin-Lautrec macht sich in den Jahren 1890-1892 auf die Suche nach der Welt der „gefallenen Frauen“ und Freudenhäusern. Carabin liebt das Nachtleben und beobachtet mit Begeisterung das Leben auf dem Montmartre des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Alle seine Modelle stammen aus diesem Milieu. Die Frau ist allgegenwärtig in der Struktur, in der Architektur der ausgefallenen Möbelstücke dieses Künstlers.

Wenn man einen Blick auf sein durch und durch realistisches Werk wirft, kommt dem Betrachter der Begriff „Perverse Kühnheit“ in den Sinn. Der Einsatz der Frau bleibt nichtsdestotrotz höchst dekorativ und ästhetisch: Atlantinnen, Kurtisanen, Sphinge und Sirenen, mal symbolisch, mal allegorisch. Carabins Kunst inspiriert sich am Montmartre, geht indes über eine realistische Darstellung hinaus und schließt sich der aufrührerischen, fantastischen Kunst des europäischen Fin-de-siècle an. Die Frau wird zum teuflischen Geschöpf schlechthin.

Die Welt des Bildhauers erweist sich als symptomatischer Ausdruck für das Kunstgewerbe um die Jahrhundertwende. Seinem Regionalismus steht seine innovative Bearbeitung erstklassiger Materialien gegenüber: Bronze (Serie von sechs Statuetten von Loïe Fuller, 1896-1897), Steinzeug (Fontaine-lavabo [Brunnen], 1897-1898), aber vor allem das Holz, das er bearbeitet, in Leinöl taucht und mit dem Daumen patiniert Bibliothek von Dr. Henry Montandon, 1890, Musée d’Orsay).

Diese dokumentarische Ausstellung präsentierte einen Teil der Ausstellung, die Nadine Lehni und Etienne Martin im Musée d’art moderne von Strassburg organisiert haben (FR Carabin 1862-1932, Januar-März 1993), es wurden alle Techniken des Künstlers vorgestellt: Skulpturen, Kunstgegenstände, Zeichnungen und Fotografien.

Ausstellungsleitung

Anne Pingeot, Generalkonservatorin im Musée d'Orsay und Philippe Néagu, Konservator im Musée d'Orsay

Die Ausstellung wurde auch vom 29. Januar bis 28. März 1993 unter dem Titel F.R Carabin 1862-1932, im Musée d'Art moderne von Strassburg präsentiert

19 April - 11 Juli 1993
Musée d'Orsay

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