Musée d'Orsay: Die ethnografische Skulptur

Die ethnografische Skulptur

Skulptur
Herbert WardDer Eingeborene Aruimi: Reiseerinnerungen der Stanley-Expedition© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / DR
Gérard Rialle schreibt 1863 mit der „ethnografischen Skulptur öffnet sich die Kunst einem neuen wissenschaftlichen und folglich geistesgeschichtlichen Bereich (...), sie zeigt alle Aspekte des Schönen“.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird der Forschungsbereich vom Fernen Osten auf die sogenannten „primitiven“ Erdeteile erweitert. Die Forschungsreisen führen zu einem verstärkten Interesse für die fernen Völker und Zivilisationen, das sowohl wissenschaftlich als künstlerisch motiviert ist.

Die Hottentoten Venus (Gips, bemalt, 1815), zweifellos das berühmteste Beispiel, war der Stolz der Sammlungen des Museum d'Histoire Naturelle (Museum für Naturgeschichte). Abgesehen von diesen Abgüssen, die in Paris zu „exotischen“ Themen von Bildhauern wie Dantan, Préault, Carpeaux und Bartholdi ausgeführt wurden, wurden die meisten Werke während Expeditionen in der für die Skulptur geeigneten Technik realisiert. Unter dem Zweiten Kaiserreich führte Charles Cordier mehrere Missionen in Nordafrika aus, während der er „wissenschaftliche“ Büsten anfertigte, die in die anthropologische Galerie des Museums eingingen.

Afrika regte die Vorstellungskraft der Künstler an, orientalisierende Bildhauer verliehen ihm eine pittoreske Note, während ethnografische Bildhauer sich lieber an Ort und Stelle begaben. Der Engländer Herbert Ward (186-1919)beispielsweise begeisterte sich für Ozeanien, bevor er sich der Malerei widmete. Auch Künstler wie Paul Gauguin, interessieren sich für Ozeanien, um die unbekannte Zivilisation zu erforschen. Innerhalb eines Jahrhunderts ging die Ethnografie von der Wissenschaft zur Kunst und von der Nachahmung zur Kreation über.

Ausstellungsleitung

Antoinette Le Normand-Romain, Chefkonservatorin im Musée d'Orsay, Anne Roquebert, Konservatorin im Forschungslabor der Musées de France, Janine Durand-Révillon, Direktionsassistentin im Musée Rodin und Dominique Serena, Konservator im Museon Arlaten in Arles

16 März - 12 Juni 1994
Musée d'Orsay

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