Musée d'Orsay: Laurent Grasso

Laurent Grasso

Zeitgenössische Lesungen

Laurent GrassoFuture Herbarium© Laurent Grasso / ADAGP, Paris 2020 Photo © Studio Laurent Grasso, Courtesy Perrotin
Laurent Grasso wurde 2017 vom Musée d'Orsay eingeladen, ein groß angelegtes Werk zu schaffen, das mit dem Ausstellungsereignis Über den Ursprung der Welt. Die Erfindung der Natur im Jahrhundert von Darwin einen Dialog unterhält.

Seit drei Jahren unternimmt das Studio Laurent Grasso Forschungsarbeiten über die unwiederbringliche Veränderung der Natur durch den Menschen und die untrennbare Verflechtung von Natur und Kultur. Ein Film sowie eine Reihe von Gemälden und Skulpturen sind derzeit in Arbeit.

In Weiterführung der Forschungen Darwins untersucht der Künstler die Entwicklungen, Veränderungen und Wandlungen der lebenden Spezies, allerdings im Kontext 2.0 einer Hyperbeschleunigung dieser Veränderungen und einer paroxystischen Hybridisierung des Menschlichen und Nicht-Menschlichen.

In Anlehnung an die Topographien Darwins der Expedition stellt das Filmprojekt von Laurent Grasso die Frage der Erforschung einer per Satellit vermessenen, komplett vernetzten Welt, in der Zeit und Raum verdichtet sind und Entdeckungen mehr über eine konzeptuelle, prospektive, experimentelle Geographie als durch physische Forschungsfahrten - so wie sie von Darwin an Bord der HMS Beagle unternommen wurden - gemacht werden.

Somit wird nach und nach die Idee eines "maschinellen Films" vermittelt, der wie ein Code geschrieben, entwickelt und umgestaltet wird, indem die Welt als Datenbank dient und die Spektren verschiedener symptomatischer Orte, einer Technik oder Auswirkung des Menschen auf die natürlichen Milieus herauskristallisiert werden.

Anstatt wie für seine vorherigen Filme reale Dreharbeiten durchzuführen, unternahm das Studio Laurent Grasso eine aufwändige Bearbeitung von Bildern, Fakten und bereits vorhandenen Berichten - mit der Intuition, dass es sich heute bei der großen Herausforderung im Bereich der Erforschung mehr um die umfassenden Big Data-Analysen als die Erfassung neuer auszuwertender Informationen handle. In anderen Worten wäre die mangelnde Transparenz der Welt mehr auf eine riesige Menge von zu entschlüsselnden Informationen zurückzuführen als auf unbekannte geografische Zonen, die es zu erschließen gelte.

Die COVID 19-Krise hat die Intuitionen des aktuell laufenden Projekts auf tragische Weise bewahrheitet. Einerseits handelt es sich um ein unsichtbares "Hyperobjekt" von globalem Ausmaß, ein komplexes Produkt aus zufälligen Interaktionen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Faktoren sowie einer globalisierten Geografie. Anderseits betonen die auf globaler Ebene verhängten Einschließungsmaßnahmen die wachsende Bedeutung dieser Virtualisierung der Welt.

10 November 2020 - 14 Februar 2021
Musée d'Orsay
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