Musée d'Orsay: Magritte in praller Sonne. Die "Renoir-Periode" 1940-1947

Magritte in praller Sonne. Die "Renoir-Periode" 1940-1947

René MagritteDie Gegenwart© Photothèque R. Magritte / ADAGP Images, Paris, 2020
Das Musée d'Orsay/Musée de l'Orangerie organisieren eine Ausstellung über die "Renoir-Periode" von René Magritte, die von 1943 bis 1947 dauerte.

Es handelt sich um die erste Ausstellung, die auf umfassende Weise einen bisher weitgehend unbekannten Teil des Schaffens von Magritte beleuchtet und eine Konfrontation der Werke von Magritte und Auguste Renoir ermöglicht, die ihm als Inspirationsquelle gedient haben.

In der Überzeugung, dass die Niederlage der deutschen Truppen bei Stalingrad die Kapitulation Nazi-Deutschlands sowie das baldige Ende des Weltkrieges verheißt, sieht sich Magritte als Prophet von wiedererlangtem Glück und Frieden: "…ich würde mich dann mit den schönen Seiten des Lebens beschäftigen. Damit meine ich das traditionelle Instrumentarium der charmanten Dinge: Frauen, Blumen, Vögel, Bäume, Glücksstimmung etc. .. es ist ein ziemlich kraftvoller Zauber, der jetzt in meinen Gemälden die beunruhigende Poesie ablöst, die ich damals zu erreichen versuchte", schreibt Magritte im Jahr 1941 an Paul Eluard.

Magritte sollte diesem Stil "in praller Sonne" bis 1947 treu bleiben und etwa fünfzig Gemälde, ebenso viele Gouache-Zeichnungen und eine erhebliche Anzahl an Illustrationen der Werke von Sade, G. Bataille, Eluard und Lautréamont anfertigen. Magritte betrachtet seine "Renoir-Periode" keineswegs als einfache Phase, sondern misst ihr eine ziemlich hohe Bedeutung bei, um daraus die Grundlage für ein Projekt zur tiefgreifenden Reform des Surrealismus zu machen. Dazu übermittelt er im Oktober 1946 André Bréton sein Manifest für einen Surrealismus in der prallen Sonne. Die unmissverständliche Ablehnung, die André Bréton diesem Programm zur Erneuerung des Surrealismus entgegensetzt, veranlasst Magritte dazu, die "Renoir-Periode" in einer provokativen und zynischen Schnellaktion zu "liquidieren", die 1948 die Form seiner "Période Vache" [gemeine, üble Periode] annimmt.

Die Ausstellung vereint etwa sechzig Gemälde und vierzig Zeichnungen. Die Eröffnung bilden einige Werke der späten 1930er Jahre, in denen Magritte die unmittelbare Bedrohung von Krieg und Unglück ausdrückt. Die Gemälde der "Renoir-Periode" von Magritte werden Meisterwerken von Renoir, modernen Malereien von Picabia und anderen Ausstellungsstücken, u. a. von Jeff Koons, gegenübergestellt, die einen Umriss der Nachwelt dieser wenig bekannten Werksgruppe ermöglichen.

Kurator

Didier Ottinger, Generalkonservator und stellvertretender Direktor des Musée national d'Art moderne und Centre Pompidou in Paris

10 Februar - 21 Juni 2021

Paris, Musée de l'Orangerie, Ebene -2, befristeter Ausstellungsbereich


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