Musée d'Orsay: M/M (Paris) im Musée d'Orsay "Von einem M/Museum zum nächsten"

M/M (Paris) im Musée d'Orsay "Von einem M/Museum zum nächsten"

Zeitgenössische Lesungen

M/M (Paris)The New Alphabet© Courtesy Galerie Air de Paris
Das Musée d'Orsay und das Musée des Arts Décoratifs freuen sich, auf gemeinsame Initiative M/M (Paris) einzuladen. Dieses Künstler- und Designerduo, das 1992 von Michael Amzalag und Mathias Augustyniak gegründet wurde, gastiert in den Sälen der beiden Museen im Rahmen einer "doppelten Ausstellung" mit dem Titel Von einem M/Museum zum nächsten.

Sie gehen seit mehr als 25 Jahren über die Grenzen der traditionellen Sparten des künstlerischen Schaffens hinaus. In Anlehnung an die Publikation der 2. Ausgabe ihrer Monographie M to M of M/M (Paris), (herausgegeben im Verlag Thames & Hudson) bieten sie anhand eines originellen Modularsystems einen Rundgang auf beiden Seiten der Seine in den ständigen Sammlungen der zwei Museen, indem ihre künstlerische Praktik über den Inhalt dieses neuen Werks erforscht wird.

Die Installation von M/M (Paris) im Musée d'Orsay verläuft parallel zur Intervention im Musée des Arts Décoratifs.
Somit setzt sich über die Tuilerien und die Seine hinweg eine Einsicht in ihre Archive fort, im Zusammenhang mit der Typographie und im Besonderen ihrer Serie von anthropomorphen Alphabeten.

Mathias Augustyniak und Michael Amzalag haben gemeinsam mehr als 100 typographische Schriftzeichen gezeichnet. In dieser riesigen Buchstabensammlung wurden einige Zeichen ausgehend von Fotoporträts skizziert und zeigen menschliche Antlitze. The Alphabet, The Alphamen, The Punctuation Series, Figures und The New Alphabet. Nacheinander werden die Gesichter grafisch verändert, um in das universelle ABC-System einzutreten.

In den Arbeiten von Hector Guimard, die dem Unbewussten denselben hohen Stellenwert wie der Sprache zuschreiben, übt das Hin und Her zwischen dem innersten persönlichen Aspekt und dem normativen Universalismus eine starke Faszination aus. Wenn er die Inschrift Métropolitain verfasst und einer sentimentalen und überzeichneten Zeichenstruktur zuordnet, sieht man sowohl sein Porträt einer Menschenmenge in Paris als auch ein Schild für den Eingang zur U-Bahn. Angesichts dieses Entwurfs erkennt man die Stadt Paris, ihre Einwohner und ihr unterirdisches Verkehrsnetz. Es handelt sich um einen suggerierten Schlund, der tausende Pariser Gesichter ausspeit - und nicht nur die Eingangsöffnung zur Metro.

In ihren typographischen Schriftzeichen verwenden M/M dieselbe kreative Strategie, indem sie ständig den Dialog zwischen dem Universellen und Individuellen, Bewusstsein und Unterbewusstsein offen lassen. Der Wechsel zwischen zwei gegensätzlichen, aber komplementären Zuständen wird in dieser Sammlung anthropomorpher Alphabete verstärkt, die Gesichter, Buchstaben, Pflanzen kombinieren - wie in der Formsprache des Art Nouveau (Jugendstil).

Es handelt sich um die erste öffentliche Ausstellung des Projekts The New Alphabet, das 2016 nach Fotografien von Inez & Vinoodh gezeichnet wurde. Aufgrund seiner überaus ornamentalen, fast psychodelischen Natur, wobei sich die Zeichnung in die alphabetischen Porträts ausbreitet, weist dieses ABC visuelle Akzente auf, die zum Teil an die grafischen Werke von Matthias Grünewald oder Hans Cranach erinnern. Im Kontext des Musée d'Orsay erinnern diese Buchstaben ebenfalls an die Werke der Präraffaeliten sowie die Anhänger dieser Schule des künstlerischen Denkens wie Aubrey Beardsley, Edward Burne-Jones oder William Morris.

Um diese Buchstaben in den Sälen für Dekorative Kunst des Musée d'Orsay darzustellen, haben M/M ein "vergängliches" Präsentationssystem" konzipiert. Borderline ist ein modulares Display, das eine fließende Darstellung in sehr unterschiedlichen Bereichen wie jenen des Musée des Arts Décoratifs und des Musée d'Orsay zu ermöglicht. Auf einer zweifarbigen geometrischen Struktur, die mehrere Bereiche ineinander zeichnet, abgrenzt und unterstreicht, sind Bilder von 120x176 Zentimetern aufgehängt, die Standardgröße eines industriellen Plakats in Europa, die visuelle "Monade" der graphischen und künstlerischen Arbeit von M/M (Paris) im Kontext ihrer Ausstellungen.

Die Abbildung von anthropomorphen Alphabeten, um ihre sentimentale, konzeptuelle und harmonische Textur zu verdeutlichen, eine völlig neue Präsentation der Werke der Sammlungen auf dem Gebiet der Dekorativen Künste durch die Einfügung dieser Plakate, die ihre Besessenheit von der Typographie in realem Maßstab offenbaren: Es handelt sich um ein raffiniertes und facettenreiches Spiel der Begegnungen, zu dem uns M/M (Paris) ins Musée d'Orsay einladen.

Durch die Fenster der Säle des Musée d'Orsay, in denen M/M gastieren, sind die Seine-Ufer und der Louvre zu erkennen, wo die Intervention von M/M im Musée des Arts Décoratifs fortgesetzt wird.

13 Oktober 2020 - 10 Januar 2021
Musée d'Orsay
Salle 61
Salle 62
Salle 63
Salle 64
Salle 65
Salle 66

Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Drucken

Facebook
TwitterInstagramYouTube