Musée d'Orsay: Tosani. Spiegelung und Durchdringung

Tosani. Spiegelung und Durchdringung

Kontrapunkte

Patrick Tosani"H"© Adagp, Paris © courtesy galerie In Situ Fabienne Leclerc
Patrick Tosani erforscht seit mehr als vierzig Jahren die Möglichkeiten des fotografischen Prozesses. Er studiert zunächst Architektur in Paris, und entwickelt gleichzeitig ab 1974 ein fotografisches Werk, das sich schwerpunktmäßig mit den Fragen in Bezug auf Raum und Maßstab beschäftigt. Er schafft den Durchbruch in den 1980er Jahren mit einem Werk, das den Nachlass der Avantgardisten der 1970er Jahre mit der Bestätigung des fotografischen Mediums als experimentelle Kunstform kombiniert. Patrick Tosani lehrt seit 2004 an der École nationale supérieure des Beaux-Arts [Kunstakademie] in Paris.

Mit der Serie Cuillères [Löffel] im Jahr 1988 schlägt er eine Neuinterpretation der Mittel vor, die Monet für die Seerosen des Musée de l'Orangerie eingesetzt hatte. Seine Betrachtung erfolgt unter dem Blickwinkel der Analyse des zum Mikrokosmos verwandelten Motivs, wobei mehr noch die Frage des Maßstabs als jene der Immersion im Mittelpunkt steht. Tosani verfolgt einen einzigartigen Ansatz, der die Realität in Frage stellt und sie in eine physische Erfahrung verwandelt.

Indem alltägliche Objekte - wie z. B. Löffel - isoliert und ohne stilistische Kunstgriffe aufgenommen werden, verwandeln sie sich zu neuen Objekten, die eine Metamorphose durch Licht und Vergrößerung erfahren. "Es geht darum, aus der Realität einige notwendige Informationen zu extrahieren, die für ihre spürbare Wahrnehmung ausreichend sind. Die Wiedergabetreue und Präzision der fotografischen Aufzeichnung zwingen zu einer selektiven Auswahl. Man kann nicht alles zeigen, ohne zu riskieren, die Wahrnehmung der Dinge zu trüben. Ich nehme Abstand von einer allgemeinen Darstellung der Welt, um sämtliche Bezugspunkte einzugrenzen. Ich konzentriere meinen Blick, nicht um die Realität zu ignorieren, sondern ganz im Gegenteil, um sie zu analysieren und verschiedene Kriterien entsprechend ihrer unendlichen Dichte festzulegen. Diese Auswahl ist zu einem Arbeitsauftrag geworden. Sie findet vor der fotografischen Aufzeichnung statt. Sie wird zur Metapher dieser fotografischen Besonderheit der Einrahmung, dieser Geste, anhand der die Dinge isoliert werden."
Patrick Tosani, 1997

Mit der Unterstützung der American Friends of the Musée d’Orsay (AFMO)

16 Oktober 2019 - 17 Februar 2020

Paris, Musée de l'Orangerie

Results
/1

Zeichensatz vergrössern Den Zeichensatz verkleinern Drucken

Facebook
TwitterInstagramYouTube