Charles Nègre
Le Stryge

Le Stryge
Charles Nègre (1820-1880)
Le Stryge
1853
Salzpapierabzug von Papiernegativ, mit Wachs behandelt
H. 32,5; B. 23 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay)

Le Stryge


Der bedeutende französische Kunstsammler André Jammes gab dieser Fotografie in Anlehnung an eine berühmte Radierung des Malers Charles Méryon den Titel Le Stryge. Man sieht den bekannten Wasserspeier von Notre-Dame in Paris, der von Viollet-le-duc entworfen wurde und der tatsächlich an einen Vampir, ein fantasmagorisches Mischwesen, das halb Frau, halb Hündin ist, erinnert.
Hinter der Skulptur hoch oben über Paris kann man Henri Le Secq, einen anderen bedeutenden Fotografen jener Epoche ausmachen. Mit der Gegenwart seines Freundes auf dem Nordturm von Notre-Dame scheint Nègre auf die gemeinsamen Interessen hinzuweisen: Ihre Vorliebe für die gotische Architektur, der beide zahlreiche Aufnahmen widmen und ihre Begeisterung für Paris, das beide schon sehr früh als Motiv für ihre Fotografien wählen.

Charles Nègre wird Le Stryge zu seinen Lebzeiten nicht ausstellen. Er bietet es jedoch bei dem Kunsthändler Goupil zum Verkauf an. Das ausdrucksstarke, herrliche Bild beeindruckt Fotografen, Radierer, Karikaturisten gleichermaßen. Dieser Erfolg ist zweifellos unter anderem der außergewöhnlichen Komposition der Fotografie zu verdanken: Die senkrechte Linie der Mauer, die Diagonale der Galerie und die Simse und Skulpturen, die sich insbesondere im linken Teil scharf vom Hintergrund abheben. In der Ferne liegt Paris, dem Le Secq im Stil eines Rastignac herausfordernd „Nun sind wird an der Reihe!” zuzurufen scheint.




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