André Derain
Brücke von Charing Cross, auch Brücke von Westminster

Brücke von Charing Cross, auch Brücke von Westminster
André Derain (1880-1954)
Brücke von Charing Cross, auch Brücke von Westminster
1906
Öl auf Leinwand
H. 81; B. 100 cm.
© ADAGP, Paris - RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Pont de Charing Cross dit aussi Pont de Westminster [Brücke von Charing Cross, auch Brücke von Westminster]


Auf dem Salon d’automne von 1905 werden die Gemälde von Derain im gleichen Saal wie die von Matisse, Vlaminck und Van Dongen präsentiert. Ein Kunstkritiker ruft beim Anblick einer Skulptur von Albert Marque inmitten der farbenprächtigen Leinwände aus: „Das ist ja Donatello unter wilden Tieren (frz. „Fauves“)!“. Der Ausdruck verbreitet sich und führt zum Begriff „Fauvismus“. Er beruht nicht auf einer bestimmten Theorie, sondern verbindet Künstler, die eine gemeinsame Auffassung teilen: die Farbe an sich ist ein Ausdrucksmittel und dient zur subjektiven Wiedergabe der Realität. Sie lehnen die illusionistische Darstellung ab.

Einige Monate später reist Derain auf Anregung des Kunsthändlers Ambroise Vollard zweimal nach London und schafft dort rund dreißig Gemälde.
Die Brücke von Charing Cross ist eine der gelungensten Werke des Fauvismus. Straße und Gebäude sind flächig gemalt, Himmel und Wasser hingegen setzen sich ähnlich wie im Neoimpressionismus aus vielen kleinen Pinselstrichen zusammen. Er verzerrt die Wagen, deren Silhouette sich der Biegung des Victoriakais anpassen und dadurch den Eindruck von Geschwindigkeit vermitteln.
Der Fauvismus währt nicht lange, doch er bildet den Übergang zu den wichtigsten Strömungen des 20. Jahrhunderts, die sich immer mehr von der gegenständlichen Malerei entfernen werden. Derain bekräftigt dies: „Die Malerei ist zu schön, als dass sie auf die Darstellung von Hunden oder Pferden beschränkt werden kann. Wir müssen unbedingt aus dem Kreis, in den uns die Realisten eingeschlossen haben, ausbrechen".




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