Jean-François Millet
Normannisches Milchmädchen

Normannisches Milchmädchen in Gréville
Jean-François Millet (1814-1875)
Normannisches Milchmädchen in Gréville
1874
Öl auf Leinwand
H. 73; B. 57 cm
© RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski

Laitière normande à Gréville [Normannisches Milchmädchen in Gréville]


Das Normannische Milchmädchen, ein Motiv, für das sich Millet sein ganzes Leben lang interessierte, ist eines der letzten Werke des Malers. Der Student Robert L. Herbert, der sich mit der Entstehungsgeschichte dieses Gemäldes beschäftigte, entdeckte im Thomas Henry Museum von Cherbourg die Reproduktion eines Aquarells des Künstlers aus dem Jahr 1840. Das Bild stellt im Stil des Neorokoko, der Ähnlichkeit mit den damals gefragten romantischen Stichen aufweist, eine erste Version des normannischen Milchmädchens dar. Man konnte in der Normandie häufig Bäuerinnen antreffen, die auf ihren Schultern ein Gefäß trugen, das mit einem Stöpsel aus Gras verschlossen war.

Die weibliche Figur im Vordergrund hebt sich von dem hellen, überwiegend gelben Himmel ab. Sie geht auf einem schmalen Weg im Gras, trägt eine weiße Bluse, ein orangefarbenes Mieder und einen grauen Rock. Über ihrer linken Schulter liegt ein blauer Stoffstreifen, der in der Taille gerafft ist. Am Horizont sieht man ein Gatter, aus dem der Kopf einer Kuh herausschaut, vermutlich jene, die soeben gemolken wurde. Dieses Gemälde, das ein beredtes Zeugnis von der Beobachtungsgabe des Malers ablegt, blieb unvollendet; stilistisch gesehen steht es jedoch im Einklang mit dem Spätwerk des Künstlers: Durch den breiten Pinselstrich der Konturen des Körpers kommt die Silhouette verstärkt zur Geltung, die Pinselführung ist locker, jegliches überflüssige Detail wurde weggelassen.




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